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Die 106 Kinder des Pavel Durov tun mir leid

21. Juni 2025

Die 106 Kinder des Pavel Durov tun mir leid

Samenspende allein mag motiviert sein von Geldnot. Kinder zu zeugen allerdings ist immer auch Narzissmus, aber das macht nichts: Der Wunsch nach Kindern, auch nach vielen, gehört zum Natürlichsten. Ihm nachzugeben ist nichts Schlechtes, wenn man denn der Verantwortung gerecht wird, die daraus folgt. Dass ein wenig Narzissmus mit reinspielt, erscheint nur logisch und ethisch nicht zu beanstanden. Aber da liegt’s: ein wenig.

Wer über 100 Kinder zeugt und der Welt immer wieder stolz davon berichtet, der handelt vermutlich – auch als Samenspender – nicht aus Geldnot. Wer gleichzeitig Multimilliardär ist, noch weniger. Auch Multimilliardär @ElonMusk scheint es als Mission zu betrachten, seinen Samen möglichst breit zu streuen und der Welt davon zu berichten. Musk soll bisher (mindestens) 14 Kinder haben. Anders als Durov soll er sie alle auf klassischem Weg persönlich gezeugt haben. Nehmen wir bei Durov wie bei Musk an, dass alle ihre Kinder finanziell versorgt sind. Nehmen wir weiter an, dass sie liebevolle Mütter haben und viele von ihnen – hoffentlich – ebensolche Ersatzväter.

Die Lebenserfahrung diktiert leider: Es dürften selbst im besten Falle in diesen Kinderarmeen der Milliardäre welche „übrig“ und damit auf der Strecke bleiben, was die Anwesenheit und die Verfügbarkeit eines liebevollen Vaters angeht. Sowohl die Anwesenheit als auch die Verfügbarkeit eines solchen erscheinen mir wichtig für ein Kind. Sehr sogar. Natürlich behaupte ich das aus der Perspektive eines Vaters, der sich bemüht, das alles zu sein. In dieser Rolle habe ich allerdings bestätigt gefunden, was ich bereits als Sohn erkannt zu haben meinte und was ich heute auch bei den Kindern in meiner Familie und meiner Freunde bestätigte sehe -oftmals im negativen. Es scheint mir nicht nur wichtig, als Vater präsent im Alltag meines Kindes zu sein, sondern auch dann bei Bedarf verfügbar, wenn ich, wie häufig, abwesend sein muss. Es ist logisch ausgeschlossen, dass @Durov und Musk das leisten können. Oder wollen.

Pavel Durov und Elon Musk halte ich für intelligent. Sie wissen, dass sie ihren Vermehrungstrieb zu Lasten ihrer Kinder befriedigen. Ihre regelmäßige Propagierung des aus ihrer Sicht notwendigen „Kampfes gegen den Bevölkerungskollaps“ interpretiere ich als Ausdruck von Schuldbewusstsein. Wer so handelt, zeugt Kinder als Werkzeug und behandelt sie so. Selbst wenn solche Kinder dann den besten Ersatzvater der Welt haben: sie werden in dem Wissen leben, dass sie für ihren Erzeuger vor allem ein Mittel zum Zweck sind. Das ist das Gegenteil von Liebe.

Den 106 Kindern des Pavel Durov ist zu wünschen, dass ihnen dieser Gedanke nicht durch den Kopf geht und wenn doch: nicht hängen bleibt. Zweifellos gibt es eine Unzahl Menschen, die unter weit schlechteren Bedingungen ins Leben kamen und aufwuchsen, als eben diese (bisher) 106. Mitleid bedürfen sie daher vermutlich kaum. Trotzdem kann ich mir nicht helfen: Durov und Musk macht mir diese Art der Massenzeugung unsympathisch.

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